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Warum Ich euch Unterstütze – meine Persönliche Geschichte zum Thema Schulsystem

Eigentlich hatte ich vor, euch meine Geschichte beim Berlin Treffen zu erzählen.. leider lief alles anders als ich es plante… Ich merkte, dass es mir noch immer nicht leicht fällt darüber zu reden und erzählt habe ich es bisher auch nur eine Hand voll Menschen. Es ist meine Geschichte.. meine ganz persönliche … von mir und dem DDR Schulsystem.

Viele von euch kennen die DDR nur aus dem Geschichtsunterricht oder evtl. auch aus Erzählungen in der eigenen Familie.
Es fällt mir leichter wenn ich es euch schreibe.. denn diese Zeit prägte mich und nahm Einfluss auf mein ganzes Leben. man kann das Schulsystem von heute eigentlich nicht mit dem der DDR vergleichen.. nicht wirklich.. aber einige Parallelen gibt es schon. wie z.B. sich einem System beugen, welches viel Druck verursacht und nur der weiterkommt, der dem mitspielt.
Ich bewundere euren Mut und euer handeln sehr.. Ich wünschte, ich hätte damals auch so handeln können.. leider wäre ich dafür in den Jugendwerkhof gekommen.. was eine Art Gefängnis für Kinder und Jugendliche war.. mit Zwangsarbeit und .. man kann sagen .. seelischer & auch körperlicher Gewalt.
Ich bin so froh Joey kennengelernt zu haben.. denn so habe ich zu euch gefunden und kann meine eigene Geschichte nunmehr verarbeiten, finde den Mut dazu es rauszulassen.
Um euch meine Geschichte verständlich erzählen zu können, muss ich sehr weit ausholen.

Mein Opa kam damals aus Hamburg nach Berlin und lernte hier in Berlin meine Oma kennen.. sie verliebten sich. Beide gingen gemeinsam nach Hamburg.. hatten vor dort zu leben. Meine Mutter wurde dann 1958 dort in Hamburg geboren. Meine Oma aber fühlte sich dort nicht wohl, vermisste ihre Familie hier in Berlin.. aus liebe zu meiner Oma ging mein Opa wieder mit ihr und meiner Mutter zurück nach Berlin.
Die Familie meiner Oma lebte im späteren Ostteil der Stadt. 1961 kam es dann dazu das die Mauer gebaut wurde, die Stadt in zwei Teile geteilte wurde. Aus Erzählungen meines Opas, weiß ich, dass er vor einer sehr schwären Entscheidung stand.. zu entscheiden seine Familie vielleicht nie wieder zusehen und in eine ungewisse Zukunft in der DDR zu blicken, muss wirklich schwer sein.. aber die Liebe zu meiner Oma, war so groß, dass er sich dazu entschieden hat, bei ihr und meiner Mutter zu bleiben. Ich habe großen Respekt davor! Die Mauer war zu und reisen unmöglich. Mein Opa hatte keine Möglichkeit mehr Kontakt zu seiner Familie in Hamburg aufzunehmen. die DDR verachtete das West System .. der kalte Krieg nahm seinen Anlauf.
Ost System konform war meine Familie hier in Berlin überhaupt nicht… dies bemerkten dann auch die Behörden der Stasi und unsere Familie stand massiv unter Beobachtung ..wie z.B. dass Stasi Beamte oder Agenten täglich vor der Tür standen, beobachteten und uns ausspionierten. Eines Tages starb dann die Mutter meines Opas in Hamburg und mein Opa wollte zur Beerdigung ..was ihm von den Behörden verboten worden ist. Er machte seinen ärger darüber Öffentlich, bei Behörden usw. … verständlicher weise!
Ab diesem Zeitpunkt wurde alles schlimmer.. die Stasi war immer in der Nähe…egal wo.
1977 wurde Ich dann geboren.
Meine Mutter war eine Ausbrecherin..ein Hippi und .. man sagte damals, glaube ich, auch Rocker Braut 😉 … hatte viele langhaarige Freunde.. die West Musik hörten.. wie z.B. die Rolling Stones oder The Doors… was den Behörden der Stasi wiederum überhaupt nicht passte. Ich erinnere mich an eine Situation ..da war ich ca. 4 Jahre alt. Meine Mutter hatte Besuch von einigen freunden, es wurde West Musik gehört und gefeiert… Ich lag in meinem Gitterbett und hörte wie es aufein mal polterte, laut wurde.. die Wohnungstür wurde aufgebrochen und es stürmten Polizei und Stasi in die Wohnung, Schreie und Hilferufe hörte ich.. Ich merkte, dass meine Mutter und ihre Freunde verprügelt wurden.. mit Gummiknüppeln usw. Ich lag ängstlich in meinem Bett, weinte und wollte nur dass das aufhört. Alle wurden Festgenommen.. Ich erinnere mich auch, dass sie in meinem Zimmer waren und zu meiner Mutter sagten, dass sie die Einzige ist, die sie nicht mitnehmen werden..weil ich da war. Es war ein sehr sehr schlimmes Erlebnis für mich!!!
Kurzum unsere Familie war nicht Systemkonform. Wir schauten NUR West Fernsehen und beugten uns nicht.
Einige von euch haben vielleicht schon davon gehört, dass nur die gebildet worden sind, in der DDR, die auch Systemkonform waren!? Es war davon abhängig ob deine Familie in der SED war, Beziehungen hatten oder das Spiel mitspielten.. nur wer dies tat kam weiter. 1982 wurde ich dann eingeschult.. Ich kam in eine sehr schöne Schule in Berlin Friedrichshain die auf Biologie spezialisiert war. Wir hatten einen kleinen Zoo im Keller ..mit Schlangen und klein Tieren. Ich verbrachte dort gern in der Hofpause meine Zeit und beobachtete die Tiere. Ich hatte es sehr schwer in dieser Schule. Heute weiß ich weshalb..damals aber nicht. Ich bekam schlechte Noten, wurde von meiner Lehrerin gemobbt. Nach der Wende besuchte ich diese Schule oft und stand davor… wollte meine Lehrerin zur Rede stellen, warum sie das in diesem Ausmaß getan hatte.. Ich hatte aber nie den Mut wirklich rein zugehen und mich der Sache zu stellen..zu groß war die Angst und der Frust darüber was dann kam. Auf Grund der schlechten Noten, die mir nicht zustanden, wurde dann meine Mutter dazu gezwungen mich in eine Hilfsschule zu geben.. heute nennt man das Sonderschule. Ich wusste und spürte das ich dort NICHT hingehörte und fragte mich immer und immer wieder WARUM!?
Mit der Zeit nahm ich alles einfach so an wie es war und fing an es so hinzunehmen..auch fing ich an selbst zu glauben, dass ich dumm sei.. wenn man dies als Kind immer wieder hört.. nimmt man es auch an und fängt an selbst zu glauben, dass man dumm ist. Von meinem Stiefvater musste ich mir dann immer anhören, dass ich dumm sei, aus mir nichts werden wird. Ich war ein sehr trauriges Kind..hab viel gelitten und geweint deshalb.
1989 kam dann die Wende  und die Hilfsschule, in der ich war, wurde aufgelöst.. da bekannt geworden ist das die meisten Schüler dort nicht hingehörten. Ich bekam die Möglichkeit meinen Schulabschluss auf einer Realschule zu machen… was ich auch getan habe..zwar mit nicht so guten Noten..aber immerhin.
Ich sitze hier gerade, Weine nebenbei, und fühle mich wieder wie damals als Kind..verletzt.
Nachdem ich die Möglichkeit hatte in die Stasiakten einzusehen..stellte sich mein Verdacht als Wahr raus. Ich sollte Systemkonform gemacht werden..so wenig wie möglich wissen um hörig für das DDR System zu sein. man dachte sich ..wenn schon nicht der Rest der Familie systemkonform war.. dann nehmen wir uns eben die Kinder vor.
Es war und ist bis heute ein ganz ganz schwieriges Thema für mich und auch eine sehr schwere Zeit.. es hat mein Wesen manipuliert und kostete mich sehr viel Kraft bis heute!
Aus diesen Gründen..meiner Geschichte.. möchte ich euch helfen..denn ich möchte NICHT das Kinder und Jugendliche genauso leiden müssen unter Druck stehen wie ich damals!!!

Ich weiß, dass ihr in euren Schulen sehr viel Druck bekommt..kaum noch Zeit für euch selbst habt.. Überfordert seid.. einige eine 48 Std. Woche haben die härter ist als die eines Arbeiters.
Ich will das ihr lebt..selbst eure Erfahrungen macht..selbst bestimmt was euch wichtig ist und auch mitreden könnt was ihr lernen wollt!! ..euch bildet, ohne Druck zu verspüren und Dinge lernt die wirklich wichtig sind..wie Menschlichkeit, Vertrauen, Liebe zu geben und auch anzunehmen… Jeder Mensch ist verschieden und so sollte auch die Bildung sein!!!
Ich danke euch Funkenflieger sehr für euer Dasein und ich bin froh das ihr gemeinsam etwas verändern wollt.. Ich danke euch, dass ich den Mut aufgebracht habe meine Geschichte zu veröffentlichen..ich danke euch dafür, dass ich so viele tolle Erfahrungen bei euch und mit euch beim Berlin-Treffen sammeln konnte.. ich bin dankbar, dass es euch gibt!
Macht weiter so und die Welt wird wieder ein toller Ort… Ich wünsche mir das ihr ganz ganz viele Menschen erreicht und eure Funken viele anstecken!!!

Ich Unterstütze euch weiterhin sehr sehr gerne!!

Liebe Grüße

Norman

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin heute 61 Jahre , 55 geb.19 61 wurde ich in der Diaster-weg Schule in Wüstenbrand Eingeschult .
    1964 in der Hilfsschule nach Hohenstein Ernstthal versetzt damals sagte man mir ich währe lernbehindert und meine Eltern glaubten das! Ich habe nur Rechtschreibe Probleme, heute weis ich das , das nur ein Vorwand war . Mein Vater war Flüchtling aus Ostpreußen und wollte nicht in der Partei ,er wahr Landwirt und konnte der Entscheidung vom Schulamt das ich in der Hilfsschule gehen soll nicht viel entgegen bringen und er akzeptierte es, Er hat dann seinen Frieden wieder gehabt!
    Für mich war das eine Katastrophe das Waren meine Schlimmsten Jahre Meines Lebens
    die haben mich bis heute geprägt. Reinhard Ruhnke

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