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Quakende Glühwürmchen am Bergwitzsee

Eine Spur aus Erdnussschalen hinter uns lassend ziehen wir weiter gen Norden. Vormittags lernt Fiona bei Mira Spanisch, hin und wieder schallen spanische Freudenschreie echoziehend durch den Wald. Wenn die Kinder uns lassen, lesen wir uns aus unseren mitgebrachten Texten gegenseitig vor. Im Wanderschritt liest es sich erstaunlich klar und dass mein Buch vollgeregnet nun zur Hälfte aneinanderklebt – das war es wert.
Fiona sagt, ich soll schreiben, was ist, wenn die Kinder uns nicht lassen: also diese 90% des Tages sind wir mit folgendem beschäftigt…
– Mistkäfer (einzeln und zuhauf…)
– Kühe
– zuhören
– toben
– Heuschlachten
– Lagerfeuer
– aufschlitzen toter Schlangen

Raffael meint dazu: man kann es auch verstehen, dass die Kinder alle 200m stehenbleiben wollen, denn ständig entsteht um sie herum ein neuer Spielplatz….

Wir sind die Gruppe, die alles auf der Straße findet. Hier eine Liste unserer anschwellenden Wanderschätze:
– Walderdbeeren
– Blaubeeren
– 11,10€
– 4 4-blättrige Kleeblätter (die von den Kindern gegessen wurden)
– einen Kuschelbären (Emo unser neuer Mitläufer)
– Kohlrabi am Waldwegrand
– ein ferienartiges Gartenhaus mit Kinderparadiesgarten und 150%iger Essensversorgung
– und eine Nacht in der Tischlerei

Unser letzter Fund: eine Birkenhöhle direkt am Wasser. Und nachdem Miro zuerst unbedingt nach Hause wollte, um dort auf dem Klo Kaka zu machen,sagt er nun: ,,Der Wald ist unser Raum.“ Emanuel und Mira machen sich Gedanken über Orte und ihre Wirkungen. Inspiriert durch ein Waldkräutercafe, bei dem wir gestern Halt gemacht haben, um ,,Zaubersmoothies“ zu trinken, verstehen sie Orte als Räume wo die Kraft des Einzelnen in eine neue in sich ästhetische, inspiriertere Kraft umgewandelt wird, die die Möglichkeit mit sich bringt, dass jeder genau das wahrnimmt, was er oder sie zu dem Zeitpunkt braucht und was sich durch ein Gespräch vielleicht niemals ergeben hätte. Orte sprechen, aber sie erklären nicht.

Dieser Blogbeitrag entstand nach bzw. während einer gemeinsamen Reflexion und wurde von Irene und Mira verfasst

Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Funkenflieger,
    ich freue mich über Euren humorvoll verfassten Bericht. Aber das Bild finde ich (als Landwirtstochter) zweifelhaft. Damit Ihr versteht warum, kopiere ich Euch einen Leserbrief hier hinein, den meine Fachoberschulklasse gerade verfasst hat, nachdem in einer hiesigen Zeitung ein ähnliches Bild abgedruckt war. – Weiterhin schöne Erlebnisse – außerhalb landwirtschaftlicher Flächen 😉 – für Euch und die Kinder wünscht Beate

    „Ernte-Zeit: ich war mit Traktor und Anhänger unterwegs, um vom Feld das Getreide abzuholen. Der Mähdrescher wartete auf mich. Wir waren in Eile. Regen stand am Himmel. Wir hoffen, dass wir das Getreide noch trocken einbringen können. Aber auf dem Weg vor mir sind Spaziergänger. Sie gehen nicht aus dem Weg. Ich rufe ihnen zu, dass ich Landwirt bin und in Eile. Nein, das sei ein Wanderweg. Da hätten sie ein Recht in Ruhe zu gehen. Sie machen mir den Weg nicht frei. Gefühlte 20 Minuten muss ich hinter ihnen herfahren.“
    Diese Geschichte erzählte ein Mitschüler in diesem Schuljahr – und alle anderen jungen Landwirte konnten ähnliche hinzufügen. Unsere Klasse an der Willy-Brandt-Schule in Gießen setzt sich zusammen aus Fachoberschülern und –schülerinnen der Fachrichtung „Agrar“ und „Ernährung“. So haben wir in diesem Schuljahr viele lebhafte Diskussionen geführt, in denen sich die „Agrarier“ so manches Mal gewundert haben, wie wenig die „Ernährer“ über den Anbau von Lebensmitteln wussten und umgekehrt die „Ernährer“, wie wenig die „Agrarier“ über die Verarbeitung und die ernährungsphysiologische Bedeutung der von ihnen erzeugten Produkte. So haben wir viel voneinander gelernt!
    Mit diesem voneinander erworbenen Wissen und den gehörten Geschichten haben wir nun gegen Ende dieses Schuljahres in Ihrer Zeitung zwei Fotos gesehen, die bei uns allen Empörung ausgelöst haben. Nämlich das der durch das Rapsfeld tobenden Kinder („So happy“ von Silke Koch am 25.4.2014) und das des Hundes in der Wiese ( „Ron im Pusteblumenfeld“ von Olga Bläser vom 16.05.2014).
    Diese „fröhlichen“ Bilder machen deutlich, dass viele Menschen Feld, Wald und Wiesen – sowie die Wege dazwischen – als „freie Natur“ wahrnehmen, die allen offen steht. Die Wahrheit ist aber, dass Felder und Wiesen Privatgelände und Eigentum der Landwirte sind – und dass dort Nahrungsmittel produziert werden. Die Spaziergänger, die unseren Mitschüler aufgehalten haben, haben wahrscheinlich nicht darüber nachgedacht, dass sie nichts zu essen bekommen, wenn die Landwirte nicht ihre Arbeit machen können. Und auch die Hundebesitzer, die ihre Hunde durch Wiesen und Felder toben lassen, wollen wahrscheinlich keine Brötchen essen, die aus mit Hundekot verunreinigtem Getreide gemacht wurde. Milch und Fleisch können Bauern nur produzieren, wenn die Tiere auf hundekotfreien Wiesen weiden können, bzw. wenn sie sauberes Heu zu fressen bekommen. Hundekot enthält den Erreger Neospora caninum und führt bei Milchküchen, Rindern und Schafen zu Totgeburten und Erkrankungen. Hundebandwürmer sind bis zu zwei Jahren auf der Wiese aktiv. Kinder, die durch den Raps – übrigens auch eine wichtige Bienenweide – im auf dem Foto abgebildeten Stadium toben, machen zwangsläufig etwas kaputt. Die Gedankenlosigkeit, mit denen sich viele Menschen auf den Flächen der Landwirte bewegen, bzw. ihre Hunde dort laufen lassen, schädigt Landwirte jedes Jahr in beträchtlichem Umfang. Wir wollen mit diesem Leserbrief Bewusstsein dafür wecken, dass Landwirte mit viel Aufwand für die Lebensmittelproduktion tätig sind, von der letztendlich alle profitieren. Und nicht nur dass: auch als Landschaftspfleger sind die Landwirte in unserem Land unentbehrlich. Daher bitten wir Sie: drucken Sie solche Bilder nur ab, wenn Sie sie statt mit „niedlichen“ Unterschriften mit sachlich aufklärenden Kommentaren versehen, so dass den Landwirten und ihrer Arbeit der nötige Respekt entgegen gebracht wird.

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  2. Und jetzt schicke ich Euren Beitrag weiter – ein echter Weckruf für das Sein mit Kindern. Guten Weiterweg grüßt Marvita

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  3. Liebe Irene, liebe Mira! Und jetzt schicke ich Euren Beitrag weiter – ein echter Weckruf für das Sein mit Kindern. Guten Weiterweg! grüßt Marvita

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  4. Das Foto erschreckt mich!
    Da setzt Ihr Euch für eine bessere, gerechtere und ökologischere Welt ein und zertretet Getreide mit Euren Füßen. Ein Getreidefeld ist kein Spielplatz, sondern das Feld, auf dem Leben wächst, das von Landwirten vor Wochen mühsam angelegt wurde und seitdem gepflegt wird und deren Ernte nur zu so schlechten Preisen verkauft werden kann, dass viele Bauern frustriert aufgeben. So tretet Ihr mit Euren Füßen nicht nur die Pflanzen, sondern zugleich die Menschen, die daraus unsere Nahrung herstellen.

    Mich erschreckt zudem, dass an dieser Stelle kurzzeitig ein Beitrag von Beate stand, der genau diesen Sachverhalt schon ansprach. Warum ist der Beitrag gelöscht worden? Darf in einer Bildungsbewegung keine Kritik geäußert werden?

    Ich bitte dringend um eine Stellungnahme!

    Markus

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