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Freie Lehrerausbildung

Freie Lehrerausbildung

Vor kurzem hatte ich ja geschrieben, dass es einige Ideen gibt, die einzelne oder mehrere Funkenflieger in der nächsten Zeit umsetzen wollen und zu denen wir noch mehr sagen werden. Hier kommt jetzt die erste davon:

Eigentlich weiß ich schon seit einiger Zeit, dass es mich dahin zieht, Lehrer zu werden. Dabei habe ich jedoch nicht das Bild im Kopf, wie ich in einer ganz normalen Schule vor einer Klasse stehe und Jahr für Jahr die gleichen Dinge vortrage, die mich selber nicht wirklich interessieren.
Der tiefste Kern am Lehrersein, besteht für mich vielleicht vor allem darin mein Wissen und meine Erfahrungen anzubieten und Menschen dabei zu begleiten ihre Wünsche und Träume zu verwirklichen. Dafür braucht es für mich ganz viel Haltungsschulung, Persönlichkeitsentwicklung, pädagogisch-therapeutisches Wissen und besondere Fähigkeiten, die ich lernen will. Das reicht von Weltvertrauen, einer messerscharfen Wahrnehmung und einer guten Selbstkenntnis über eine authentische Körpersprache, Spielen und Geschichtenerzählen können und eine Kenntnis verschiedener pädagogischer Ansätze bis hin zum Fachwissen und Theatermethoden, um mal nur ein Bruchteil dessen zu nennen, was ich glaube, was in einer Lehrerausbildung wichtig wäre.
Hier findest du einen Text, in dem ich einfach mal eine ganz persönliche Momentaufnahme dessen aufgeschrieben habe, was ich gerade jetzt darunter verstehe Lehrer zu sein und was ich dafür können will.

Nun ist es so, dass die Dinge, die ich lernen will, im normalen Lehrerstudium eher wenig vorkommen und ich auch sonst noch keine wirklich passende Ausbildung für diese Dinge gefunden habe. Vor zwei Monten stieg dann eines Abend ein Bild in mir auf, wie eine eigene freie Lehrerausbildung aussehen könnte und diese Idee lässt mich seitdem nicht mehr los und hat sich zunehmend verdichtet.
Wie dieses Bild bisher aussieht habe ich am Ende dieses Beitrags beschrieben. Vieles davon ist für mich noch ganz offen und vieles wird sich erst noch entwickeln. Klar ist mir jedoch, dass ich im Sommer (August/September) anfangen will, zu Not auch alleine, doch am liebsten mit einer Gruppe.
Darum habe ich jetzt diesen Text geschrieben, weil es Zeit wird, die Idee zu streuen und Mitstudenten zu finden.

Vielleicht fühlt ihr euch ja angesprochen oder ihr kennt jemanden für den es vielleicht passen könnte oder sonstwie weiterhelfen und unterstützen kann. Gerne dürft ihr die Nachricht rumschicken und die Idee weitererzählen. Ich freue mich auf Interessierte und Mitstreiter. Meldet euch einfach unter emil[at]funkenflug[pünktchen]de.

Liebe Grüße,
Emil Funkenflieger

Ps:
Und so sieht das Bild zur Zeit aus:

Gruppe: 3-12 Menschen, die in der Nähe, evtl. auch an einem Ort wohnen und die Ausbildung gemeinsam durchlaufen. Evtl. ist es auch möglich das einzelne oder kleinere Gruppen an verschiedenen Orten sind und nur regelmäßig an Wochenenden oder für einzelne Wochen zusammenkommen.

Fachliche Ausbildung und Anerkennung: Meine jetzige Idee ist es, einfach ein Fernstudium zu machen, zum Beispiel an der Fernuni Hagen. Ein Fernstudium für Lehrer gibt es leider nicht, doch zurzeit fühlt es sich für mich auch ziemlich gut an einfach ein ganz normales Fach per Fernstudium zu studieren. Damit hat man auf jeden Fall eine gewisse Anerkennung, es gibt die Möglichkeit als Quereinsteiger auch an staatliche Schulen zu kommen, auch wenn das nicht ganz leicht ist und an freie Schulen zu kommen ist damit relativ leicht und gut möglich. Da ich wahrscheinlich sowieso nicht mein Leben lang in einer normalen Schule als Staatsdiener arbeiten möchte und es bestimmt gut sein kann, dass ich nochmal was ganz anderes machen möchte, fühlt sich dieser Kompromis ziemlich gut an. Vielleicht gehen da aber auch bald oder später noch irgendwo Türen auf, als Pilotstudiengang in Kooperation mit einer Uni, Weiterbildungs oder Quereinstiegsmöglicheiten, doch zurzeit möchte ich nicht mit viel Aufwand irgendeine aufwendige, offzielle Ausbildung aus dem Boden stapfen, sondern einfach da lang gehen, wo es leicht geht, wo es schon möglich ist. Und dann kann auf dem Weg immer noch ganz viel entstehen.
Durch das Fernstudium, in dem wir uns als Gruppe gemeinsam unterstützen, bekommen wir einerseits die fachliche Ausbildung und haben anderseits die Freiheiten, die wir brauchen, um den Rest der Ausbildung zu gestalten.

Organisation und Entwicklung: Ganz grundsätzlich stelle ich mir vor, dass die Ausbildung von den Studenten gemeinsam mit einigen erfahrenen Begleitern und Supervisoren entwickelt wird. Aus der Erfahrung der letzten Jahre mit UniExperiment und Wanderuni weiß ich, dass ich nicht alles ganz alleine und selbstorganisiert machen möchte. Ich möchte nicht nur Organisator, sondern vor allem Student sein. Doch dass die Studenten auf einer Augenhöhe mit den Begleitern stehen und wir gemeinsam die Ausbildung entwickeln, die bestimmt auch zu Großteilen erst währenddessen entsteht. Gemeinsam forschen wir daran, wie wir uns die beste Ausbildung schaffen können.
Das Gute ist, dass ich tatsächlich ein paar dieser erfahrenen Menschen kenne, die zur gleichen Zeit eine ähnliche Idee hatten und Lust haben die freie Lehrerausbildung zu begleiten und mitzuentwickeln.

Menschliche Ausbildung: Unter dieses Schlagwort fällt der Großteil dessen was ich im Text über das Lehrersein beschrieben habe und um den es mir vor allem geht. Gemeinsam in der Gruppe und mit den Begleitern entwickeln wir uns unseren eigenen Lehrplan. Dazu will ich zum Beispiel verschiedene Dozenten, von denen ich auch schon einige in den letzten Jahren kennengelernt habe, an Wochenenden oder einzelnen Wochen einladen und Seminare machen. Wir führen die Impulse der Seminare in der Gruppe weiter, bringen unterschiedliche Erfahrungen ein, entwickeln Übungen, Experimente und Möglichkeiten, beschäftigen uns mit verschiedenen pädagogischen Ansätzen, forschen an einer guten Lernkultur, reflektieren unsere Erfahrungen, schreiben Aufsätze.

Praxis und Anbindung an Schulen: Ich würde auch gerne direkt ganz viel Praxis haben und ausprobieren. Darum ist die Idee, direkt mit der Ausbildung an eine oder mehrere Schulen angebunden zu sein, sodass die Studenten zum Beispiel zwei Tage die Woche schon in der Schule sind und da Lehrer begleiten oder selber unterrichten. Die Gruppe reflektiert und tauscht sich in den gemachten Erfahrungen aus. Ich habe schon mit ein paar freien Schulen gesprochen, die sich so etwas vorstellen können. Ich glaube, dass das Netzwerk der freien Schulen prinzipiell ziemlich offen für so etwas ist, da dort sowieso schon seit Jahren überlegt wird eine eigene freie Lehrerausbildung zu schaffen. Es könnte zum Beispiel so sein, dass die Studenten während der Ausbildung immer wieder für ein paar Wochen oder Monate verschiedenen Schulen besuchen und da sozusagen in die Lehre gehen, bevor sie wieder zusammenkommen und die Erfahrungen austauschen. Oder dass es vielleicht längerfristig auch verschiedene kleine Gruppen an verschiedenen Schulen gibt, die sich dann regelmäßig zu Seminaren treffen. Dass wäre dann ziemlich so wie die freie Demeter-Landwirtschaftsausbildung.

Projekte: Ich habe auch Lust mit der Gruppe gemeinsam Projekte anzugehen und umzusetzen. Vielleicht gemeinsam mit Schülern der Schulen. Ich denke da zum Beispiel daran, dass ich Lust hätte mit ein paar Schülern und Studenten nochmal ein halbes Jahr Wanderuni zu machen und beim Reisen oder Wandern fürs Fernstudium und Abitur zu lernen, spannende Orte zu besuchen und sich mit Themen zu beschäftigen.

Finanzierung: Die Finanzierung ist noch nicht klar, aber ich bin sicher, dass es nicht am Geld scheitern wird. Möglichkeit sind zum Beispiel Bafög, Stipendien, Nebenjobs oder Arbeitswochen im Jahr, eine solidarische Finanzierung und vielleicht hat ja auch das Netzwerk der freien Schulen oder sonst jemand Lust eine solche Ausbildung zu unterstützen.

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Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

  1. „Dabei habe ich jedoch nicht das Bild im Kopf, wie ich in einer ganz normalen Schule vor einer Klasse stehe und Jahr für Jahr die gleichen Dinge vortrage, die mich selber nicht wirklich interessieren.“

    Kann ich nur bestätigen. Bin Mathe- und Physiklehrer an einer Waldorfschule und bin gezwungen Schüler zu zwingen das zu machen was weder ich noch sie wollen und eigentlich keiner mehr wirklich will.

    „Der tiefste Kern am Lehrersein, besteht für mich vielleicht vor allem darin mein Wissen und meine Erfahrungen anzubieten und Menschen dabei zu begleiten ihre Wünsche und Träume zu verwirklichen.“

    Genau. Und ihnen helfen ihr volles Potential zu entdecken und frei zu erleben… Deshalb kann ich nur davor warnen sowas innerhalb des bestehenden Systems machen zu wollen. Ich bin trotz allem drin weil die Schule wo ich mich als Lehrer wirklich entfalten könnte woanders sonst nicht gibt und auch damit ich den „Feind“ von innen kennen lernen kann um genauer zu verstehen welche „Seelensdynamik“ dort vor sich geht. Dabei wird ganz klar wie nicht nur Schüler sondern auch Lehrer verblödet werden. Bin deshalb überzeugt, dass nur völlig neue Schulen oder „Lernorte“ und neue Lehrer oder „Lernbegleiter“ die sich vom herkömmlichen System entkoppeln, wirklich Neues entwickeln werden können. Also, ich finde das eine tolle Idee und wünsche Dir viel Glück!! :)

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  2. Lieber Emil Funkenflieger,

    mich bewegt selbst so manches von dem, was du ansprichst und auch was Marco schreibt, kenne ich, denn ich arbeite als Waldorf-Kindergärtnerin und auch in diesem Bereich geht es um dieFrage, wie frei Schule oder Bildung und Erziehung heute wirklich sein kann und will.
    Nur zwei Bücher mag ich dir empfehlen in dieser Richtung, welche mir sehr viel Aufschluss zum Thema gegeben haben.
    1. https://www.occident.nl/de/bucher/geisteswissenschaft/eine-klasse-voller-engel-uber-die-erziehungskunst-9783000435485
    und 2. http://johannes-mosmann.de/freie-Schule.html
    Beste Grüße und alles Gute und frohes Schaffen dir für deine Projekte und die Umsetzung deiner Ideen.
    Herzlich.
    Simone

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  3. Eine schöne Idee!
    Ich könnte mir vorstellen, als Ausbilder für den ein oder anderen Bereich zu fungieren :)
    Melde dich bei Interesse gern bei mir.
    (Bin ausgebildete Lehrerin für deutsch und englisch, Montessori-Pädagogin und Lernbegleiterin an einer freien Schule mit viiiiiieeeel Wissen rund um deine Vorstellungen…)
    Liebe Grüße
    Olga

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  4. lieber emil, deine idee und deine gedanken dazu gleichen in vielen dingen dem, was ich gerne noch machen möchte: heranwachsende jeden alters beim entwickeln persönlicher fähigkeiten begleiten und unterstützen zu dürfen. ich würde gerne lehrerin/begleiterin/coach an einem freien lernort sein… zur zeit bin ich damit beschäftigt, einen malort nach arno stern zu etablieren und bedienen. ich wünsche dir, dass du deiner berufung weiter folgst, dann fügt sich alles weitere… vielleicht kreuzen sich unsere wege eines tages, aber diesen sommer ist das projekt für mich zu früh. alles liebe und gute weiterhin! conny

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  5. Hallo, dein Blogbeitrag zur freien Lehrerausbildung ist nun schon ein Jahr her. Ich habe ihn gerade gelesen. Ich habe mal als Quereinsteiger als Lehrerin an zwei Hauptschulen gearbeitet, was eine recht traumatische Erfahrung für mich war. Aber trotzdem kam der Wunsch, Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten bzw. zu unterstützen, nach einer gewissen Zeit wieder und blieb. Ich habe bereits eine Berufsausbildung und ein Studium absolviert und habe keine Lust mehr, eine weitere formale Ausbildung dran zu hängen, in der ich wieder einen Haufen Kram konsumiere, der nichts mit dem zu tun hat, wie ich meine Berufung leben möchte. Wie lief’s oder läuft es mit deiner freien Lehrerausbildung? Kann ich mich vielleicht noch einklinken?
    Es grüßt dich Janina

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